Die Pranke des Urhebergesetzes

Während die Kellnerin in einer der üblichen – wenn auch ziemlich schlecht besuchten – Latte Macchiato-Schänken hinter der Bar wuselt, kramt die Frau Freundin auf deren MacBook herum. Weil sie nicht alles zu kennen scheint, was im Dock als Programm aufleuchtet, plärrt sie alle Nase lang Sachen wie „WasissnVLC?“. „Na, so Filmangucksoftware“, wird vom Tresen her geantwortet. Doch die Frau Freundin lässt nicht locker. „UndwasissnLIMEWIRE?“ Nun reißt die Tresenkraft die Augen auf, wird ganz nervös und stößt aufgeregt „nichts, nichts“ aus. Sie lässt den Abwaschlappen fallen, dem sie bis dahin ihre Aufmerksamkeit geschenkt hat, kommt angelaufen um weitere Fragen in diese Richtung präventiv zu unterbinden und trägt nun flüsternderweise im zweisamen tête-á-tête zur Klärung bei. Hat sie Angst vor Denunzianten oder sehe ich etwa aus wie ein Urheberrechtsbulle?

Giordano in der Jungle World

Ivo Bozic: Ihr Grund, zur KPD zu gehen, war in erster Linie der Antifaschismus. Welche gesellschaftlichen Kräfte sehen Sie in der Verantwortung, sich dem Faschismus entgegenzustellen?

Zunächst einmal: Sagen Sie bitte nicht Faschismus, wenn Sie Nationalsozialismus meinen! Meine Familie und ich sind nicht von italienischen, ungarischen oder rumänischen Faschisten verfolgt und bedroht worden, sondern von Deutschen, die sich Nationalsozialisten nannten. Faschismen gab und gibt es viele, den Nationalsozialismus mit seinem Holocaust nur einmal. Wer Faschismus statt Nationalsozialismus sagt, relativiert den Nationalsozialismus. Ich will damit den Faschismus nicht beschönigen, erlaube mir aber die Bemerkung, dass Auschwitz mit Italienern nicht zu machen gewesen wäre. (…)

Die deutsche Linke allerdings ist mir dabei immer suspekter geworden. Ich meine jene Linke, die sich gründlich in der Adresse irrt. Wie sich wieder gezeigt hat an ihrer Reaktion auf den Massentod in den Twin Towers von New York am 11. September 2001: »Die Amerikaner sind selbst schuld.« Für mich gehört diese Linke zum festen Bestand der Internationale der Einäugigen… (Quelle)

Milch For President

Die Idiotie der Reklame kommt wohl nur selten in Reinform zu sich. Wenn nun seit kurzem Barbara Schöneberger von Plakatwänden verkündet, ihr imponiere Milch, weil sie auf alle Fragen eine Antwort wisse, dann hat die Warengesellschaft auch die letzte Bastion von Hirn verrammscht. Bitte mehr davon, liebe Imagekampagne für den Euterdrink. B-Prominenz, die felsenfest oder jedenfalls vernünftig bezahlt, behauptet, sie inspiriere Käse oder nehme sich ein Beispiel an Margerquark ist schwer großartig.

Problemshirt

Mit großartigen Geschichtskenntnissen brilliert Fatih Akin bei den Dreharbeiten zu einem neuen Film. In Hamburg tauchte der Regisseur letzte Woche auf dem Uni-Campus mit einem T-Shirt auf, das den Schriftzug BUSH zierte, während das S im Namen durch ein Hakenkreuz ersetzt war. Eine Erklärung für diesen modischen Fehltritt liefert Akin Spiegel Online frei Haus.

Es ist also kein faschistisches Statement, sondern ein anti-amerikanisches Signal, mit dem sich der Berlinale-Gewinner verzierte. Die Hamburger Polizei wird wohl dennoch ermitteln: Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen lautet der Vorwurf.

Im SPIEGEL-Interview erklärte der Filmemacher: „Bushs Politik ist mit der des Dritten Reichs vergleichbar.“ Die Bush-Administration versuche, Folter zu normalisieren und sei auf einen dritten Weltkrieg aus. „Meiner Meinung nach sind das Faschisten“, so Akin. (Quelle)

Friedenstruppe

Der israelische Premier Ehut Olmert im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.  Dabei zeigt er sich in Fragen der Zusammensetzung der UN-Friedenstruppe für den Südlibanon, wenig pikiert über die Beteiligung schwarz-rot-geiler Blauhelme.

Ich habe Kanzlerin Angela Merkel mitgeteilt, dass wir absolut kein Problem haben mit deutschen Soldaten im Südlibanon. Weshalb sollten deutsche Soldaten auf Israel schießen?

Ich wäre mir durchaus sicher, dass den hiesigen Mitbürgern dafür in ihren Augen plausible Gründe einfallen.

Sie wären Teil der Truppe, die Israel verteidigt. Es gibt zur Zeit keine Nation, die sich Israel gegenüber freundschaftlicher verhält als Deutschland.

So eine infame Beleidigung wird der deutsche Michel nicht gern auf sich sitzen lassen. Militärisch und Israel? Da scheint an der Heimatfront zwischen Frau Angela ihrem „Wir sind das Volk“ noch einiges ungeklärt. Man darf gespannt sein, wann Linkspartei, Grüne und NPD den antizionistischen Einsatz der Bundeswehr im Inneren fordern.

Schließung des KF?

Ohne dass ich mich am Kommunistischen Forum aktiv beteiligt hätte, fand ich doch bisher einige Beiträge und Diskussionen recht lesenswert. Nach dem schwer-schrägen Hack Kreuzberger Bakuninisten, denen man libertär wohl zur Sicherheit noch einmal vorbuchstabieren sollte, erwägen die Admins jetzt auch noch die Schließung des Boards, die sich hauptsächlich auf den nachgelassenen Diskussionsstil stützt. Nur, wenn man nicht mehr miteinander reden kann, muss man ja nicht unbedingt gleich Schluß machen (alte Weisheit bürgerlicher Zweierbeziehung!)
Trotz der sich häufenden „Halts-Maul“-Freundlichkeit, wurde man hin und wieder mit guten und vernünftigen Texten bedacht oder hat interessante Links zur Kenntnis genommen.
Dass die beklagten Fehler nicht in einer – zumindest erwogenen Neuauflage des Forums – nicht ein zweites Mal gemacht würden, darf indes wohl bezweifelt werden. Nur wenn man etwas umetikettiert, bleibt darunter doch der gleiche Mist (alte Weisheit der Warenzirkulation!)
Nun ein Vorschlag zur Güte: Wie wäre es denn, wenn man das Forum, in ein mit einer vernünftigen Redaktion betriebenes Onlinemagazin überführt, auf dem Gruppen und Einzelpersonen – fernab vom Zwang zum Mitmachen – Texte und Thesen publizieren können und die dazugehörigen, gesellschaftskritischen Diskussionen in einen Kommentarbereich verschoben werden (Indymedia in gut ohne Aufrufe, Erlebnisberichte und darmlinkem Geschwafel!) Sowas fehlt nämlich m.E. nach wirklich und würde zumindest den Wust an Trash aus dem KF abschneiden.

„Hass ist gegen meinen Glauben“

Nicht nur, dass er elend dämliche und pathosschwangere Filme, wie bsp. Braveheart dreht. Der Vorzeigechrist Mel Gibson, ist auch nie um ein gutes Wort für die Juden verlegen. Ende letzter Woche erst wurde er besoffen am Steuer seines Wagens angetroffen. Er bemerkte daraufhin gegenüber dem Polizisten, dass die Juden an allen Kriegen der Welt schuld seien und fragte den Beamten, ob er denn einer sei. Weil sich so eine antisemitische Äußerung aber nicht wirklich gut in der Karrierekurve macht, rudert Gibson nun eilig zurück.

„Ich bitte nicht nur um Vergebung“, erklärte der Schauspieler in einer Stellungnahme. „Ich möchte einen Schritt weiter gehen und mich mit den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde treffen, mit denen ich dann direkt über einen angemessenen Weg zur Heilung sprechen kann.“(Quelle)

Woody Allen wusste dafür bekanntlich ein adäquates Mittelchen.

Mixed am Abend

Indymedia ist dann doch immer wieder ein Knaller. Der Abendretter heute war ganz gewiss der spitzen Beitrag von palestina libera, palestina rossa mit dem Untermotto „WARUNH WIRD MEINER ÜBERSETZUNG ZENSIERT !!!!“ Ja, warunh wohl?

Ein wenig strange fand ich indes Folgendes: hab mir gerade eine neue Mail-Adresse eingerichtet. Am Ende der Registrierung musste man zwecks Spamschutz dann aus einem Bildchen eine Buchstabenfolge abtippen. Soweit so gut, nur warum zur Hölle war das bei mir die Kombi „SYRIEN“? Versteckte Botschaft, schnickschnack? Who knows? Ich geh ins Bett.

Update

Hab am Headerbild und den Stylesheets ein wenig geschraubt. Was haltet ihr davon…? Bin ja immer offen für gute Ideen.

P.S. Das ist nur ein ganz perfider Trick, um mal auszuprobieren, ob hier überhaupt jemand mitliest bzw. ob das Kommentarformular eigentlich funktioniert. :-)

Ohrfeigengesicht der Woche #1


Mein Alltime-Fave in dieser Kategorie, macht sich mal wieder schwer beliebt:

“Ich stelle mich nicht außen vor und sage: “Ihr seid alle scheiße”, sondern ich versuche Tipps zu geben, wie man in diesem Land cool mit der eigenen Geschichte sein kann.” (Intro)

Groß Jan. Funk da NS, oder wie?

via Jules

Parteispenden

Was tut man, wenn man ein paar Millionen Euro ererbt? Man denkt zunächst an sich (nicht zu knapp), dann an die liebe Freunde (ganz ordentlich) und dann vielleicht noch an die Förderung kritischer Theorie (wäre schön).
Man könnte Verlage sichern, Bücher drucken lassen, angenehme Läden ausbauen. Sowas in der Art eben. Ein Bergarbeiter aus Moers hat all das nicht gemacht. Michael May dachte weder an sich („ich kann meinen Lebensunterhalt auch ohne das Erbe selbst bestreiten“), noch an die Lieben, wohl aber an die MLPD, der er immerhin 2,5 Mio. von Muttis Finanzen vermachte, weil sie beim Bergarbeiterstreik 1997 ohne wenn und aber zu den Bergleuten gestanden hätte und ihre Vorstellungen vom echten Sozialismus, wie die SZ zitiert „einleutend seien“.
Hätte er nur 40 Euro in eine Kapital Ausgabe, oder zumindest 10 Euro in die Einführung von Michael Heinrich investiert, dann wäre die runde Summe wohl besser anlegbar gewesen. Kann den nicht mal jemand besuchen und ihm die Welt erklären? Wer’s macht, soll sich nicht scheuen, vorher meine Kontonummer zu erfragen.

Notwendiger Bekenntniszwang

Beim Einkaufen

Der Einkauf einer beliebten Wochenzeitung kann manchmal zu Irritationen führen. Etwa dann, wenn der geschwätzige Zeitschriftenverticker augenzwinkernd auf das Titelbild deutet und Sachen sagt wie: „Welcome Mr. Bush? Och neee, wat ’ne Beleidigung fürde Kuh, wah?“

Pizza Boykott

Angesichts der fußballerischen Niederlage gegen Italien haben die Deutschen nun die passende Antwort gefunden: Pizza Boykott. „Wenn Heißhunger auf Pizza besteht, dann nur noch Tiefkühlpizza.“ Man muss nicht lange raten, welcher Hersteller jetzt ganz hoch im Kurs steht. Na, der hier.

Edit: Das ist doch schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Bei soviel ehrlichem und bodenständigen Engagement in puncto „Kauft nicht beim Italiener“ darf man sie nur bitten, liebe Mitbürger, Geschäfte zu markieren, in denen Waren aus dem feindlichen – vulgo italienischen – Ausland feilgeboten werden. Wie wäre es etwa mit einem groß-sichtbaren gezeichneten I, das man bei jenen Restaurants, Pizza-Services oder Ristorantes auf der Schaufensterscheibe anbringen könnte. Jedenfalls bei den Etablissements, die nicht von unseren Landsleuten, sondern von den Fans der Makkaroni-Maradonnas betrieben werden. Jeder soll boykottieren können! Der Italiener an sich ist nicht immer leicht zu erkennen! Es ist wichtig, die Nachbarschaft zu informieren und aufzuklären! Erkennungspflicht jetzt!

Nazirente

Altwerden mit Würde. Das will Oma, das will Opa und auch der KZ Wärter um die Ecke. Nun bedarf es auch im Alter hauptsächlich des Baren, um sich hier und da mal eine Schweinshackse oder eine Kneipp-Kur an der Ostsee zu finanzieren. Darauf soll auch ein Wachmann in Auschwitz nicht verzichten müssen, entschied kürzlich das Bundessozialgericht:

Der Dienst im Konzentrationslager sei zwar in jedem Fall ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Geprüft werden müsse aber auch, ob der Aufseher zur Mitwirkung gezwungen wurde und sich den Befehlen nicht habe widersetzen können. Das Verfahren wurde an das Sozialgericht Baden-Württemberg zurückverwiesen. Der Kläger war seit 1942 als Mitglied der Waffen-SS in Auschwitz eingesetzt. Beim späteren Kampf um Breslau verlor er ein Auge. Deshalb erhielt er eine Versehrtenrente, die ihm aber 1998 entzogen wurde.

Quelle: MDR